Die vorliegende mehrteilige Serie „Mario Henzi - mein Steinleben“ ist eine kurze Zusammenfassung meiner über 60-jährigen Sammlertätigkeit in Mineralien und Fossilien. Sie gibt einen Überblick über viele Fundstellen und ihre Fundmöglichkeiten. Viele davon sind Vergangenheit, weil sie geschlossen, zugeschüttet oder inzwischen verboten sind. Ein Grossteil der Verbote von für uns sehr interessanten Fundstellen sind durch Raubbau treibende Sammler verursacht worden. Es braucht halt auch in der Freizeit, im Hobby eine rechte Portion Ethik und Achtung vor der Natur. Man sollte nie den Dank vergessen, wenn einem die Natur eines seiner Wunder zum Geschenk macht! Ich für meinen Teil habe der Natur für meine gesamte Sammlung zu danken. Zusammen mit dieser Serie und unserem Kabinett in Wallbach möchte ich den an den Naturschönheiten interessierten Leserinnen und Lesern und Besuchern einen tieferen Einblick vermitteln und eventuell auch ein bisschen Freude bereiten.
Schweighausen D: Achate 6.6.1970 Von einer Achat-Fundstelle in Schweighausen haben wir erfahren, dass dort bei einem Strassenbau sehr schöne Achatmandeln vorkommen sollen. Als wir daraufhin den Ort besuchten, konnten wir nur noch kleinere Bruchstücke und einige wenige Achatmandeln finden, welche sich sägen und schleifen liessen. Unsere deutschen Freunde vor Ort waren uns zuvorgekommen und hatten abgeräumt. In einem solchen Fall muss man sehr schnell zur Stelle sein, um vor den Baumaschinen zu retten, was noch zu retten ist.
Bergheim F, Weinberg Spielmann: Fluorit 12.6.1970 Der Schlüsselstein in Bergheim war ja bisher unser beliebtes Ausflugsziel. Dass es nun in diesem Gebiet noch etwas anderes zu finden gab, war uns neu. Mit Willy Fricker unternahmen wir die erste Exkursion in den Weinberg der Familie Spielmann nach Bergheim.
Was wir dort aus den Porphyrfelsen herausspitzen konnten war phantastisch und übertraf voll unsere Erwartungen. Felsstücke mit aufsitzenden violetten Fluoriten von in Europa einzigartigem Glanz, begleitet von blättrigen Barytkristallen.
Viele Male waren wir dort und nahmen ausser Steinen auch exzellenten Riesling und Silvaner aus dem Weingut Spielmann mit nach Hause. Vermutlich war der Wein nur deshalb so gut, weil er auf so schönen Kristallen wachsen durfte.
Der Weinbauer wollte dann eine neue Strasse durch seinen Weinberg ziehen, genau an unserer Fundstelle. Was dabei dann noch zum Vorschein kommen würde, liess uns nur träumen.
Also anerboten wir ihm, uns an den Kosten des Strassenbaus zu beteiligen, wenn wir dafür die herausgeholten Steine behalten dürften. Abgemacht, an einem nächsten Samstagmorgen wollten wir loslegen, aber oha Lätz. Herr Spielmann teilte uns mit, dass die Gendarmerie den Bau des Flurweges verboten habe, und alles was unter 30 bis 40 cm im Boden liege Staatsbesitz sei.
Wir hatten vorerst keine Ahnung, was der Grund dafür war, wurden jedoch bald fündig. Einige Bergheimer besuchten vergangenes Wochenende die Mineralienbörse in Basel und haben dort festgestellt, dass einige Basler Mineralienkollegen Fluoritstufen dieser Fundstelle im Wert von einigen hundert Franken das Stück zum Verkauf anboten. Die Bergheimer waren darob so erzürnt, dass Schweizer ihre Heimat ausbeuten und marschierten schnurstracks auf die Marie. Sie erwirkten dann ein sofortiges Suchverbot auf Gemeindeebene, auch auf Privatboden.
Somit war auch diese einzigartige Fundstelle in Europa wieder verloren. Schade, uns blieb in den nächsten Jahren nur noch der Genuss dieses guten Elsässerweines.
Rimbach b. Masevaux F: Hämatit & Quarz 5.7.1970 Auf einem Bergrücken, dem Stahlberg bei Rimbach im Elsass durften wir auch während einigen Jahren ungestört nach Hämatit und Quarz suchen. Es war ein guter Ort, um die Familien mit dabei zu haben, wo wir dann jeweils auch grillieren konnten.
Die Arbeit an den gewachsenen Felsen war sehr hart und arbeitsintensiv. Einmal als wir ankamen standen bereits zwei Mann zuoberst auf dem Felskopf und bearbeiteten diesen mit Vorschlaghämmern wie wild. Einer hatte wie ein Indianer ein farbiges Tuch gegen den herunterrinnenden Schweiss um die Stirn gebunden. Es war unser derzeitiger Präsident des Basler Mineralienvereins, Dr. Ernst Sury mit einem wohlbekannten Binntaler-Strahler.
Es konnte ja hier auch nicht gut gehen, da zu viele Sammler nun plötzlich hier tätig wurden. So kam es auch hier bald einmal wieder zum Sammlerverbot durch die Gendarmerie, die uns das dann vor Ort bekanntgab.
Willy führte uns, Franz, Anton und mich an den Holzplatz in Lierbach, wo es angeblich in einem Wasserleitungsgraben welcher durch ein Waldstück führte, schöne Achate zu finden gäbe. Die Funde waren für uns dann auch tatsächlich sehr gut.
Mein grösster dort gefundener Achat mit einer of-fenen Druse und leicht violetten Amethyst war um die 25kg schwer und weist einen Durchmesser von 50cm auf.
Wir fanden auch kleinere Achate mit Quarzhohlräumen und aufsitzenden Eisenröschen.
Fibbia, San Gottardo 15. 10. 1970 Quarz suchen im Gotthardgebiet auf der Tessinerseite in der Fibbia hatte für uns einen besonderen Reiz, allerdings bei bescheidenen Funden. Das bewog mein Kollege Anton dazu, es einmal mit Sprengstoff zu versuchen.
Während des Aufstieges hatte Anton die Schachtel mit den Glycerin-Kapseln und ich den Sprengstoff im Rucksack, was mir nicht geheuer war, denn ich hatte keine Erfahrung mit Sprengstoff.
Etliche Sprengversuche waren jedoch ergebnislos, sodass wir ohne Erfolg wieder einmal nach Hause ziehen konnten. Von da an war für mich Kristalle suchen mit Dynamit endgültig vorbei. Ich wollte mich in Zukunft nur auf meine bescheidenen Möglichkeiten mit Hammer und Spitzeisen beschränken.
Fortsetzung folgt...
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