Ob Leonardo da Vinci das verzaubernde Lächeln nur seiner Mona Lisa oder ihr stellvertretend für alle Frauen geschenkt hat, ist eine der Fragen, welche den Besucher der Ausstellung „Frauenwelten“ in der Mühle in Kaisten beschleichen kann. Die Andere: Was hat es mit dem Spruch, „die Frau, das unbekannte Wesen“ auf sich?
(v.l.) Therese Krattiger, Susanne Hörth, Irene Bryner präsentieren in der Mühle Kaisten ihre «Frauenwelten»
Die Vermutung liegt nahe, dass Künstler das Thema „Frauenwelten“ anders angehen würden wie die drei Kaister Künstlerinnen Therese Krattiger, Susanne Hörth und Irene Bryner, obwohl auch ihre Frauenwelten bestimmt nicht von allen Frauen gleich gesehen werden. Trotzdem, das Thema an und für sich und im Besondern in Verbindung mit den Werken der drei Künstlerinnen verführt dazu, sich Gedanken über den „Geschlechterkampf“ zu machen.
Harmonie „Ist das die Welt der Frauen?“ fragt sich wohl mancher Mann beim Betrachten der Werke und muss dabei überrascht zur Erkenntnis gelangen, dass zwischen der seinigen, vielleicht etwas überidealisierten Sicht der Frauenwelt und derjenigen der Künstlerinnen kaum ein Unterschied besteht. „Diese beinah nahtlose Übereinstimmung kann doch nicht sein“ denkt er und hört die Thesen von Alice Schwarzer, die wohl bekannteste Vertreterin der neuen deutschen Frauenbewegung in seinem inneren Ohr. In seinem Unglauben an die Harmonie geht der Mann in der Ausstellung auf die Suche nach provokativen Merkmalen und Diskrepanzen. Trotz intensivster Fahndung wird er jedoch nicht fündig.
Die Suche Zuerst beschäftigt er sich mit den von Susanne Hörth filigran gezeichneten Elfen. Na ja, elfenhaft sind die Frauen ja nicht immer, aber mit Provokation hat dies nichts zu tun, konstatiert er etwas zerknirscht und muss sich offen eingestehen, dass er eigentlich ganz gerne in der üppig gestalteten Umwelt der Fabelwesen leben würde. Obwohl ihn die Frau in Weiss wie auch die Frau in Schwarz keines Blickes würdigte und Lili, Lulu, Lisa, Lara gar die Augen schlossen, als er auf sie zukam, fand er nichts Anrüchiges an den von Therese Krattiger geschaffenen Frauen. Nun hoffte er innigst, zumindest bei den Werken von Irene Bryner den „Stein des Anstosses“ zu finden. Vergebens, von der Lady in Red, welche seiner Meinung nach die Inspiration für Chris de Burghs gleichnamigen Song gewesen sein muss, war er so angetan, dass er die Suche sofort einstellte und anfing, vorbehaltlos in die „Frauenwelten“ der drei Künstlerinnen einzutauchen.
Aha-Erlebnis Langsam begreift nun der gute Mann, der Geschlechterkampf ist ein Relikt vergangener Zeiten. Alice Schwarzer versteht es zwar auch heute noch zu provozieren, ihre revolutionären Thesen aus den 70er-Jahren wurden aber zwischenzeitlich zum allgemeinen Gedankengut. Die Frauen von heute sind selbstbewusst und wollen nicht mehr provozieren. So wie der Mann seit jeher Mann ist, so ist die Frau heute Frau und offenbart sich in solchen Ausstellungen wie „Frauenwelten“ in der Mühle Kaisten, welche daher nicht nur den Frauen, sondern auch den Männern bestens empfohlen werden kann. Trotzdem, für Letzteren bleibt die Frau das unbekannte Wesen und das ist gut so, denn umgekehrt wird’s auch nicht arg anders sein.
Frauenwelten in der Mühle Kaisten Die Ausstellung ist an den Sonntagen, 12., 19. und 26. September, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
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