Verkehrsparen für die 2000-Watt-Gesellschaft
Von:mm/f24.ch
Verkehrsparen ist ein Trend der Zukunft. Damit die hohen Ziele der 2000-Watt- Gesellschaft erfolgversprechend anvisiert werden können, brauche es neben Massnahmen im Gebäudebereich auch Verbesserungen in der Mobilität, heisst es in einer neuen Studie, welche im Rahmen des Projektes «Verkehrsparen in Siedlung und Quartier» zudem zeigt, dass ein verkehrsparendes Mobilitätsverhalten unter guten Rahmenbedingungen bereits heute Realität ist.
Fussverkehr Schweiz und der Club der Autofreien haben zusammen mit der Hochschule Rapperswil und der Mitwirkung weiterer Partner die Mobilitätssituation in sieben Stadtzürcher Siedlungen untersucht.
Die Studie wurde mittels Befragungen der BewohnerInnen sowie Interviews der Genossenschaftsvorstände durchgeführt. Insgesamt wurden rund 600 Fragebogen ausgewertet und Mobilitätspläne zu jeder untersuchten Siedlung erstellt. Die Bewohnerschaft in den untersuchten Siedlungen ist, verglichen mit dem Stadtzürcher Durchschnitt, deutlich weniger motorisiert und verbraucht deutlich weniger Energie im Verkehr. Das zeigt, dass die 2000-Watt- Gesellschaft in der Mobilität bereits gelebt wird und deren Ziele nicht unerreichbar sind.
Aus den Befragungen und Gesprächen haben sich ausserdem Handlungsfelder mit Verbesserungspotential ergeben. Dazu gehören Carsharing-Standplätze in den Siedlungen, mehr und bessere Veloabstellplätze oder die Unterstützung der Genossenschaften seitens Stadt für autoarmes Wohnen.
Samuel Bernhard, Geschäftsleiter Clubs der Autofreien, erklärt die Hintergründe des Projektes: „Der Begriff «Energiesparen» hat sich in unserer Sprache eingebürgert – nicht so die Wortneuschöpfung «Verkehrsparen». Dabei sind neben Massnahmen beim Energiesparen auch Änderungen beim Verkehrsverhalten notwendig, damit die 2000-Watt-Ziele erreicht werden können. Das bedeutet wo möglich, motorisierten Individualverkehr reduzieren und ersetzen mit Fuss-, Velo- oder ÖVKilometern.
Thomas Schweizer, Geschäftsleiter Fussverkehr Schweiz, ist erfreut über die Resultate: „55 Prozent der untersuchten Haushalte leben autofrei. In der Siedlung an der Röntgenstrasse hat gar nur jeder vierte Haushalt ein Auto! Wegen der frühen Baujahre verfügen die untersuchten Genossenschaften mit einer Ausnahme nur über ein sehr beschränktes Parkplatzangebot, welches weit unter dem vom Gesetz geforderten Minimum liegt. Dennoch ist kein markanter Mangel an Parkplätzen auszumachen.“
Ueli Keller, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verbandes für Wohnungswesen SVW, erklärt, dass der SVW Zürich wegen des vermuteten geringeren Parkplatzbedarfs aktiv geworden ist. Er hat für seine Mitglieder einen Leitfaden erarbeitet, der aufzeigt wie mit einem Mobilitätskonzept und seinen Massnahmen der Bedarf und damit auch der behördliche Zwang Parkplätze zu erstellen, reduziert werden kann.
Christina Spoerry, Fachbereichsleiterin Verkehrsstrategien im städtischen Tiefbauamt sieht auch bei den Veloabstellplätzen Handlungsbedarf: „Mit der neuen Parkplatzverordnung wurde der erhöhte Bedarf nach Veloabstellplätzen aufgenommen. Vier der sieben untersuchten Siedlungen hätten einen entsprechenden Bedarf, was die städtische Strategie ebenfalls bestätigt.“
Klaus Zweibrücken, Professor am Institut für Raumentwicklung der HSR erklärt, dass die studentischen Arbeiten aufzeigen, welche Bausteine nötig sind, um Wohnsiedlungen mit wenig automobiler Mobilität „betreiben“ zu können: „Diese Bausteine liegen einerseits auf der Netz- und Infrastrukturebene, beispielsweise gute Einbindung der Siedlung in die Fuss- und Velonetze. Andererseits spielen Mobilitätsdienstleistungen wie Car-Sharing-Fahrzeuge in der Siedlung oder umfassende Informationen über die Mobilitätsangebote eine Rolle“.
Markus Knauss, Co-Geschäftsleiter des VCS Zürich schliesslich sieht das autofreie Wohnen im Trend: „Die Anzahl der Autos nimmt trotz steigender Wohnbevölkerung ab. Gerade das autofreie Wohnen scheint uns ein Mittel zu sein, die Verkehrsentwicklung menschen- und umweltverträglicher zu machen“.
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