Seltener Besuch im Wegenstettertal
Von: Stefan Treier
Vor kurzem konnte Pfarrer Alexander Pasalidi in seiner Pfarrei Wegenstetten-Hellikon Pater Johannes Kahn aus Kirgistan (auch Kirgisien genannt) als Gast begrüssen. Der Seelsorger aus dem zwischen Russland und China gelegenen Bergland weilt auf Einladung des international tätigen Hilfswerks „Kirche in Not“ derzeit in der Schweiz. Er stellt in eindrucks-vollen Vorträgen die Situation in der von Armut geprägten früheren Sowjetrepublik östlich des Kaukasus dar. So fand er auch in Hellikon und Wegenstetten aufmerksame Zuhörer.
Pater Kahn mit Pfarrer Pasalidi und Gläubigen von Hellikon
Der in Kirgistan aufgewachsene Sohn während des Krieges auf Geheiss Stalins nach Zentralasien deportierter Deutscher wurde 1992 in Lettland zum Priester geweiht. Er betreut zusammen mit dem Bischof, vier weiteren Priestern und vier Ordensfrauen die katholische Minderheit in ganz Kirgistan, welches flächenmässig nahezu fünfmal so gross ist wie die Schweiz. Rund 80 % der fünf Millionen Einwohner sind Moslems.
Die meisten der restlichen 20 % sind Christen, rund 1 % der Kirgisen gehören zum katholischen Glauben. Diese wohnen weit verstreut in dem von sehr hoher Arbeitslosigkeit geprägten Land, das sich anfangs der Neunzigerjahre von der früheren Sowjetunion selbständig gemacht hat. Mit zwei Autos, welche durch Spenden von „Kirche in Not“ ermöglicht wurden, fahren die Priester und Ordensleute jährlich zwischen 50'000 und 70'000 Kilometer auf meist schlechten, löchrigen Strassen um die Gläubigen zu besuchen und zu betreuen. Ein wichtiges Anliegen ist den Priestern auch die Seelsorge in den tristen Gefängnissen.
Wie Pater Johannes Kahn berichtet, werden die meisten Gottesdienste in den Privathäusern abgehalten weil es keine Kirchen gibt. Die Priester bringen den Gläubigen auch lebensnotwendige Güter mit, welche ihnen häufig fehlen. Viele Menschen leiden unter Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Einsamkeit oder gar Alkoholismus. Zum Glück können sie in den meist fruchtbaren Gebieten Früchte und Gemüse aus den eigenen Gärten ernten. Zahlreiche Junge wandern aus, Alte bleiben zurück und müssen oft mit einer Monatsrente von umgerechnet fünf Euro zurechtkommen.
Dennoch besteht bei vielen Kirgisen die Bereitschaft, die wenigen Habseligkeiten, über die sie verfügen, noch mit Anderen zu teilen. Durch politische Unruhen wurde Vielen Alles weggenom-men, das sie während langer Zeit mühsam erarbeitet haben. - Eine einfache, von Spenden aus dem Westen finanzierte, dem hl. Bruder Klaus geweihte Kirche in der Hauptstadt Bishkek, dient seit 1969 als Bischofssitz, wo auch ein durch „Kirche in Not“ finanziertes Haus zu einem Pfarreizentrum hergerichtet wurde.
Zur Zeit der harten Sowjetherrschaft war die Kirche unter Gefahren gezwungen, im Untergrund zu leben, doch sie hat überlebt. Um die Freiheit steht es allerdings auch heute nicht zum Besten, gab es doch vor einem knappen Jahr bürgerkriegsähnliche Unruhen mit vielen Toten in diesem fernen Land, von welchem nur bescheidene Informationen in unsere Breitengraden gelangen.
Die Menschen sind äusserst dankbar für die geistige Nahrung, die ihnen durch die Priester und Ordensleute geschenkt werden, so, dass sie auch lange Wege, oft zu Fuss, auf sich nehmen um zu den Gottesdiensten zu kommen. Seit der Wende sind viele Russlanddeutsche abgewandert, um in Russland oder gar Deutschland eine bessere wirtschaftliche Existenz zu finden. Pater Kahn, dessen Bruder Alexander übrigens auch als Priester tätig ist, fühlte sich sehr glücklich, in so wunderschönen Kirchen wie seiner Gastgeber-Pfarrei die hl. Messe zu feiern.
Er verstand es auf eindrückliche Weise, die recht schwierige Lage der ihm anvertrauten Menschen im fernen Kirgistan zu schildern. Oft nur dank des christlichen Glaubens und der tatkräftigen Unterstützung durch das kleine Seelsorgeteam gelingt es ihnen, drohende Hoffnungslosigkeiten zu überwinden. - Die Ausführungen von Pater Kahn haben die aufmerksame Zuhörerschaft tief beeindruckt und ihr auch vor Augen geführt, wie gut es wir hier in der Schweiz eigentlich noch haben.
Die seit über 60 Jahren im Dienste verfolgter Christen stehende Organisation „Kirche in Not“ hilft zur Linderung von sozialer und geistiger Not in Ländern wie Kirgistan. Sie ist sehr dankbar für jede Spende, die gezielt für Hilfsaktionen eingesetzt werden kann. (Kirche in Not, Luzern, Postkonto 60 – 17200 – 9).
«Fürs Fricktal – fricktal24.ch – die Internet-Zeitung»