Theaterverein Stein - „Im Pfarrhus (und uf dr Bühni) isch de Tüüfel los“
Von: Hans Berger
Warum um Gottes willen soll eine Kirchen-Kanzel statt mit Rosen, Nelken und Jasmin nicht einmal auch mit Tomaten, Gurken und was sonst noch so im Gemüsegarten wächst, geschmückt werden und warum soll die Gemahlin des Herrn Pfarrer nicht mit hautengen Hosen statt mit wallenden Roben durchs Dorf promenieren? Es sind wohl noch keine sechzig Jahre her, da wurden bei ähnlichen Sachverhalten auch hierzulande solche Fragen heiss debattiert und sie hätten nicht nur beim Theaterverein Stein zur Feststellung geführt: „Im Pfarrhus isch de Tüüfel los“.
(v.l.) Bischof von Lax (Rainer Ackermann), Pfarrer Lionel Toop (Erwin Kälin), Pfarrer Arthur Humphrey (Peter Schlienger), Corporal Clive Winton (Marcel Germann), Kriegsgefangener (Ralph Ammann), Penelope Toop (Carmen Cangeri), Miss Skillon (Corinne Binkert), Dienstmädchen Ida (Susi Schmidli), Sergeant Towers (Heini Born)
Streithähne
Zugegeben, ein wenig sehr frivol ist die sich zur Schauspielerin berufen fühlende Frau Pfarrer Penelope Toop (Carmen Cangeri) schon und der liebe Gott hat dem gutmütigen Pfarrer Lionel Toop (Erwin Kälin) schon eine Bürde auferlegt, als er dem ungleichen Paar seinen Segen gab. Dass bei dieser Konstellation nicht alles rund laufen kann, liegt auf der Hand. Zumal sich die moralisch züchtige, erzkonservative Miss Skillon (Corinne Binkert) als Rädelsführerin der gleichgesinnten Kirchenmitglieder hervortut und an Penelope kein gutes Haar lässt, was unwillkürlich zu gehörigen Reibereien zwischen den beiden Frauen führt.
Armer Tropf
Mittendrin steht das Dienstmädchen Ida (Susi Schmidli), welches, wäre es nicht von so resoluter Natur, wohl längst den Bettel hingeworfen hätte, oder allenfalls im Irrenhaus gelandet wäre. Was der arme Tropf durchzustehen und zu managen hat geht auf keine Kuhhaut. Und dies wohlgemerkt in einem Pfarrhaus, wo tatsächlich der Teufel los ist, wie das Publikum zu seinem Gaudi sehr bald zu merken bekommt.
In Flagranti
Soweit so gut, die Zwistigkeiten zwischen zwei Konkurrentinnen wären ja noch ertragbar. Die Lage spitzt sich jedoch mit dem Eintreffen von Corporal Clive Winton (Marcel Germann), einem ehemaligen Schauspielkollegen von Frau Pfarrer, gehörig zu. Es kommt wie es kommen muss: die Moralapostelin, Miss Skillon erwischt die beiden in einer, ihrer Meinung nach unmissverständlich unsittlichen Situation, worauf an dieser Stelle jedoch nicht näher eingegangen wird, allenfalls aber in der ausführlichen Fotoreportage eruiert werden kann.
Wie…?
Allerdings ist damit das Fass noch längst nicht zum Überlaufen gebracht. Dafür sorgen in der Folge Bischof von Lax (Rainer Ackermann), ein entflohener Kriegsgefangener (Ralph Ammann) sowie Pfarrer Arthur Humphrey (Peter Schlienger). Nach anfänglichem Wirrwarr liegt es dann an Sergeant Towers (Heini Born), das Ganze wieder ins richtige Lot zu bringen. Wie, sei aber an dieser Stelle nicht verraten, kann aber am kommenden Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr im Kultursaal Stein in Erfahrung gebracht werden. Reservation
Schlag auf Schlag
Eine aberwitzige Verwechslungs- und Verwandlungskomödie, was der Theaterverein Stein seinem zu Recht begeisterten Publikum bietet. Pointierte Wortspiele und hervorragend herausgespielte, verrückte Situationen kreuzen sich mit dem unmittelbar darauf folgenden Gelächter Schlag auf Schlag. Ein fantastisches, sichtlich spielbegeistertes Ensemble unter der Regie von Esther Ammann lässt kein Auge trocken bleiben. Wer das Lachen verlernt hat, gewinnt es beim Theaterverein Stein und dessen Komödie „Im Pfarrhus isch de Tüüfel los“ garantiert wieder zurück.
«Fürs Fricktal – fricktal24.ch – die Internet-Zeitung»