100 Jahre Katholischer Frauenbund Aarau KFA
Von: Anita Panzer
Zum Start seines 100-Jahr-Jubiläums hat der Katholische Frauenbund Aarau KFA am Samstagmittag ein Gespräch unter dem Titel «Innenwelt – Aussenwelt» mit anschlies-sendem Apéro organisiert. Der Publikumsaufmarsch im Grossratssaal Aarau war gross. Kaum ein Stuhl blieb unbesetzt. «Gott ist innen», sagte Sr. Ingrid Grave während des Podiumsgesprächs, in welchem es um Innen- und Aussenwelten ging.
Bea Stalder (l), Sr Ingrid Grave und Susanne Brunner
Arlette Marti-Gertiser, die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes Aarau KFA, erinnerte in ihrer Begrüssung daran, dass die Organisation ohne die Frauenbund-Vorgängerinnen heute nicht das wäre, was sie ist. «Mit der heutigen Geburtstagsfeier und mit der Herausgabe der Festschrift „100 Jahre Katholischer Frauenbund Aarau KFA“ wollen wir einen dankbaren Blick zurück werfen und damit unseren Vorgängerinnen unsere Achtung und Wertschätzung für ihre grossen Verdienste ausdrücken», so Marti.
Irmeline Gehrig-Borner, ehem. Grossrätin und ehem. Vorstandsmitglied des Katholischen Frauenbunds Aarau erinnerte daran, dass eine Spezialität des Aarauer Vereins während etlicher Jahre der «Treffpunkt Frau» war, der gerade jüngere Frauen mit vielen Angeboten ansprach. «Nicht nur die Auseinandersetzung mit religiösen und aktuellen gesellschaftlichen Fragen war wichtig, sondern auch praktische Angebote wie Spielgruppe und Kinderhütedienst während der Gottesdienste», so Gehrig.
Das Motto des Initiativkomitees zur Gründung des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF, ebenfalls 1912, war: «Nicht länger darf die schweizerische katholische Frauenwelt beiseite stehen.» Die katholischen Frauen hätten diesen Aufruf wahrgenommen. Daran erinnere auch die Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum des KFA. Nicht abseits stehen heisse auch, diesem Jubiläum einen öffentlichen Raum wie den Grossratssaal zu geben. Die Frauen von damals wie heute hätten sich zwar immer karitativ, aber ebenso im Bildungsbereich engagiert und sich immer wieder in politische Debatten wie diejenige der Gleichstellung oder der Abtreibung eingemischt.
Was ist innen, was ist aussen?
Dem Thema der Jubiläumsveranstaltung «Innenwelt - Aussenwelt» ging das Podiumsgespräch mit Susanne Brunner, Gesprächsleiterin des «Tagesgesprächs» von SRF, und Sr. Ingrid Grave, Dominikanerin und ehemalige Moderatorin der Sternstunden auf SF1, nach, das von Bea Stalder, ehemalige Journalistin bei Schweizer Radio, moderiert wurde.
Befasst sich die katholische Schwester in ihrem Orden vor allem mit der Innenwelt, die Journalistin mit der Aussenwelt? Mitnichten! Beide Frauen sind Medienfrauen, mit grosser Ausstrahlung nach aussen, beides weit gereiste Weltenbummlerinnen. Sr. Ingrid Grave bereiste als Leitungsmitglieds Ihres Ordens verschiedene Länder und machte dabei auch die Erfahrung, was es heisst, Analphabetin zu sein, in der fremden Sprache nicht kommunizieren zu können.
Eine fremde Kultur lernte sie auch beim Schweizer Fernsehen kennen, wo sie die Sternstunde Kultur moderierte. Auch Veränderungen prägten immer wieder ihr Leben. Nach der Zeit beim Fernsehen gründete sie eine Hausgemeinschaft mit Frauen, die ihre Innenwelt, die Spiritualität suchen. Diese Innenwelt präge aber natürlich die Aussenwelt, in der wir lebten, betonte Grave. «Viele Leute heutzutage wissen oder erahnen, dass es eine Innenwelt gibt. Sie brauchen nur etwas Ermutigung, dazu zu stehen.»
Diese Menschen seien deshalb aber nicht zwingend kirchlich orientiert. «Unsere Kirche hat ein schlechtes Image, einen Reformstau, wie man das nennt,» gibt sie freimütig zu. Heute sei man zwar spirituell, was aber nicht heisse, dass man damit kirchlich gebunden sei. «Wahrscheinlich muss noch vieles wegsterben, damit ein neuer kleiner grüner Zweig entstehen kann, aus dem ein starker Baum heranwächst!» Damit meint sie nicht nur die Kirche, sondern auch die Kongregationen, die eine neue Daseinsberechtigung in der Spiritualität finden müssten.
Gott ist innen
Susanne Brunner wurde schon durch ihre Eltern zur Weltenbummlerin, diese wanderten früh nach Halifax, Nova Scotia, aus. Sie selber wollte nur eines: sesshaft werden. Sie kam zwar in die Schweiz zurück und heiratete, nahm aber kurz darauf ein Engagement als Auslandkorrespondentin in San Francisco an. Früh musste sie lernen, Freunden immer wieder adieu zu sagen. Deshalb pflege sie Freundschaften heute sehr, nicht über die neuen Social Media wie Facebook oder Twitter, sondern persönlich, in Gesprächen oder mit einem Brief.
«Das Tagesgespräch auf Radio DRS 1 ist zwar eine Sendung, in welcher vor allem die tagesaktuellen Aussenwelten angesprochen werden, ich suche auch nicht das intime Innenleben meiner Gäste, finde aber doch immer wieder tiefgehende Gespräche.» Brunner erinnerte sich an das Portrait über eine Novizin, die gerade im Begriff war, dem Orden der Benediktinerinnen beizutreten.
Später habe sie sich selbst für ein paar Tage ins Kloster zurückgezogen, um ihre Innenwelt zu finden. Sie packte die Chance, auf die Spur der eigenen Innenwelt zu kommen. Denn «Gott ist innen», betonte Sr. Ingrid Grave. Dies aber, so die Ordensfrau, habe enorme Wirkkraft auf unsere Aussenwelten. Auch Susanne Brunner kam ruhiger aus dem Kloster und hat dort das gefunden, wofür sie ursprünglich in den Journalismus ging: die Motivation, um Gerechtigkeit in der Welt zu kämpfen.
Zum Schluss gratulierte Sr. Ingrid Grave dem Frauenbund dazu, dass er immer wieder den Mut zeigte, auch heisse Eisen – wie etwa die Homosexualität – aufzugreifen. Und Susanne Brunner wünschte, dass genau das, was der Frauenbund erreicht habe, auch in den Medien noch mehr herausgestrichen werden könnte. Und dass Themen angeboten würden, die zur Innenwelt führen, die nachher die Aussenwelt prägten.
Der KFA
Der Katholische Frauenbund Aarau KFA hat zurzeit 240 Mitglieder. Er ist ein parteipolitisch neutraler Zusammenschluss von Frauen mit einer christlichen Grundhaltung und steht für religiöse und gesellige Anlässe sowie Förderung der Meinungsbildung von Frauen. 1912 als Frauenverein gegründet, 1994 in Katholischer Frauenbund Aarau umbenannt und 2010 mit dem Kürzel KFA ergänzt - vor diesem Hintergrund präsentiert der KFA an seinem Jubiläumsstart im Grossratssaal Aarau ausserdem die Festschrift «100 Jahre Katholischer Frauenbund KFA». Darin wird auf die bewegte Geschichte des Frauenbunds Aarau zurückgeblickt.
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