Dramatische Johannespassion - Projektchor Rheinfelden in Olsberg
Von:milou
Am vergangenen Sonntag führte der Projektchor Rheinfelden begleitet von der Camerata Basel unter der Leitung von Angelika Hirsch die Johannespassion von J.S. Bach in der Klosterkirche Olsberg auf.
Projektchor Rheinfelden in Olsberg
Man spürte von Anfang an, dass es Angelika Hirsch vor allem um Prägnanz und Dramatik ging: Der Eingangschor geriet packend und der Chor war präsent vom ersten bis zum letzen Ton. Im ersten Teil gingen die einzelnen Nummern in einer dichten Dramaturgie nahtlos ineinander über, sodass man als Hörer förmlich vom Strudel der Ereignisse mitgerissen wurde. Selbst die Choräle waren in den dramatischen Gestus einbezogen. Auch hier war der Chor stets präsent, sicher und deutlich, die Turba-Chöre mit mitreissender Vehemenz skandierend.
Raphael Favre (Tenor; Evangelist und Arien) überzeugte vor allem als äusserst engagierter Evangelist. In keinem Moment ging es ihm um das zur Schau stellen seiner schönen Stimme, sondern er stellte sie ganz in den Dienst der dramatischen Textgestaltung. In der Arie "Ach mein Sinn" gelang es ihm, die Zerrissenheit der verzweifelten Seele bewegend darzustellen, Bei "Barrabas aber war ein Mörder" lief es einem kalt den Rücken herunter. Ebenso gelangen ihm aber auch viele stille und ergreifende Momente der Passionserzählung.
Aline Du Pasquier (Sopran) gestaltete ihre beiden Arien mit ihrer berührend schönen Stimme ebenfalls ganz vom Text aus: "Ich folge Dir gleichfalls" geriet zauberhaft beschwingt und hoffnungsvoll; "Zerfliesse mein Herze" sang sie mit inniger Trauer; dabei gelang es ihr mühelos, die grossen Bögen dieser schwierigen Arie zu spannen.
Florian Kai Bischoff (Bass) als Jesus war zweifelsohne eine Idealbesetzung: selten hat man diese Partie so edel, aufrichtig, überzeugend und ohne jedes falsche Pathos gehört. Dazu besitzt Bischoff eine wunderbar volltönende runde Bassstimme, die der Gestalt Tiefe verlieh.
Jan Börners wunderschöner Altstimme mit grosser Leichtigkeit in der Höhe lauschte man in den beiden Arien "Von den Stricken meiner Sünden" und "Es ist vollbracht" mit Genuss. Markus Niedermeyr (Bass) vereinte bewegliche Koloraturen mit präziser Diktion und schönem Legato. Zusammen mit Aline Du Pasquier, Jan Börner und Raphael Favre, flexibel begleitet vom Orchester, geriet die Arie "Eilt, ihr angefocht'nen Seelen" zu einem besonders schönen Moment des Abends.
Angelika Hirschs Dirigat war einerseits von höchster Präsenz und Wachheit gekennzeichnet, liess aber andererseits immer "Platz für die Musik" und konnte auch, wie in den Arien, ganz zurückhaltend sein und den Solisten freien Raum zur Entfaltung lassen.
Zuletzt vereinten sich Chor und Orchester noch einmal zu einer ruhig fliessenden und sehr geschlossenen Darstellung des Schlusschors "Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine"; selbst hier blitzte noch einmal kurz die Dramatik des Anfangs auf.
Kommentar eines 9-jährigen Konzertbesuchers: "Es hat sich gelohnt hinzugehen, wirklich!" -- Dem ist nichts hinzuzufügen!
«Fürs Fricktal – fricktal24.ch – die Internet-Zeitung»