Sibirische Kaltluft im Anzug
Von: MeteoSchweiz
Allmählich ändert sich über Europa die Grosswetterlage. Seit Dezember 2011 wurde aus Nordwesten in mehreren Schüben eher feuchtmilde Luft atlantischer Herkunft nach Europa geführt. Dieses persistente Strömungsmuster ist nun zu Ende gegangen, und die Höhenströmung über dem Alpenraum dreht zunächst auf Nord, später auf Nordost. Somit wird zunehmend kältere und trockenere Festlandluft zu unseren Breiten gesteuert.
Die Ursache dieser Entwicklung befindet sich über Nordrussland und Skandinavien, wo sich gegenwärtig ein kräftiges Winterhoch bildet: in Moskau wurde am Samstag 28. Januar um 06 Uhr ein Bodendruck von 1047 hPa gemessen.
Diese Wetterkonstellation, mit einem kräftigen Winterhoch über Zentraleurasien welches sich gegen Westen hin ausdehnt, ist recht typisch für den fortgeschrittenen Winterverlauf. Zur Zeit hat die dazugehörige extrem kalte Luftmasse die Ukraine, Weissrussland und Finnland erfasst.
Sibirische Kälte im Hinterhalt
Die Zugbahn der auf der südwestlichen Flanke des sibirischen Hochs ausbrechenden Kaltluft ist noch unsicher. Im Laufe der Woche dürfte diese extrem kalte Festlandluft entweder den Balkan und Griechenland erfassen, oder nördlich davon, in Richtung Alpenraum ziehen. Auf der Alpennordseite wird dieser Kaltlufteinbruch von einer Verstärkung der Bisenströmung begleitet.
Gemäss aktuellen numerischen Unterlagen sollte diese Entwicklung am Mittwoch oder Donnerstag stattfinden, sodass in der zweiten Wochenhälfte in den Niederungen der Alpennordseite Temperaturen um -5 Grad am Tag und -15 Grad in der Nacht erwartet werden dürften. In windstillen Mulden müssen sogar bis -20 Grad verzeichnet werden.
Zudem ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt insbesondere im Westen Schneefall zu erwarten. Im Bereich der herangeführten sibirische Festlandluft, welche ausgesprochen trocken ist, dürfte es dann in der zweiten Wochenhälfte kaum mehr zu nennenswerten Schneefällen kommen.
Unsicherheit betreffend der Intensität der Kältewelle
Erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich die oben geschilderte Entwicklung auf der Ensemble-Vorhersage Methodik des europäischen Zentrums zur Mittelfristvorhersage (ECMWF) stützt.
Rekordkälte im Visier?
Vor 25 Jahren, am 12. Januar 1987 wurden bei klaren und windstillen Verhältnissen in La Brévine, im Neuenburger Jura, -41.8 Grad gemessen. Auch im Mittelland sind damals die Höchstwerte nicht über -11 Grad angestiegen. In der nachfolgenden Nacht wurden dann im Mittelland verbreitet -20 Grad gemessen. Tatsache ist, dass die erwartete Wetterentwicklung viele Ähnlichkeiten mit der damaligen Wetterlage aufweist.
Analogfall
Obgleich bekannt ist, dass die Natur nie eine Wetterentwicklung exakt wiederholt, kann eine auffallende Ähnlichkeit zwischen der Bodenkarte des 12. Januar 1987 und der Vorhersage des europäischen Wettermodells ECMWF für Sonntag, den 5. Februar 2012 festgestellt werden. Sowohl die Ausdehnung des Hochs mit Kern über Nordeuropa nach Frankreich als auch die Positionierung des Tiefs über Italien zeigen eine bemerkenswerte Übereinstimmung.
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