Martin Willi - „Mein Theaterleben“ - Teil 25
Von: Martin Willi
Die vorliegende mehrteilige Serie „Martin Willi - Mein Theaterleben“ ist eine ausführliche Zusammenfassung, eine Art Biografie, meiner bishe-rigen Tätigkeit im Bereich des Theaters und der Literatur. Als künstle-rischer Leiter des theater WIWA Laufenburg, als Schauspieler, Regis-seur, Autor und Kursleiter, durfte ich viel Interessantes und Spannen-des erleben, wovon ich Ihnen berichten werde. Darunter viele unvergessliche Highlights, aber auch schwierige Momente, die mich geprägt haben.
Szene aus „Villa Schmetterling“, Theaterverein Spielleute in Sisseln
Aller guten Dinge sind vier
Nur gerade eine Woche nach der Premiere von „Schwarz auf Weiss“ (Theaterleben Teil 24) kam es zur Premiere des Stücks „Villa Schmetterling“ in Sisseln. Es war dies nach einer zweijährigen Pause meine vierte Regiearbeit beim Theaterverein Spielleute in Sisseln. Und es war meiner Ansicht nach die mit Abstand beste der vier Produktionen. Dies sowohl von der Qualität des Stückes wie auch von der spielerischen Leistung her.
„Villa Schmetterling“ sollte bis zum heutigen Datum meine letzte Regie ausserhalb von Laufenburg sein. Es gab in den letzten Jahren zwar immer wieder Anfragen von Theatergruppen, aber zu einem Engagement kam es leider nie, dies meist aus terminlichen Gründen.
Mittlerweile wäre ich aber froh, wenn ich wieder mal bei einem anderen Ensemble die Regie führen dürfte. Ich brenne buchstäblich darauf, neue Spieler, ein neues Ensemble kennenzulernen und ein Stück einzuarbeiten. Na mal schauen, vielleicht ergibt sich ja wieder mal was.
Das Stück von Hans Gmür entführte die Zuschauer in Sisseln in die Welt der Opernsängerin und Schauspielerin Katharina Kühne, gespielt von Rosmarie Weber. Sie führt die Pension Villa Schmetterling und schillernd wie ein Schmetterling ist das illustre Künstlervölkchen, das die Pension bewohnt.
Trällernd, lebensfroh und familiär führt Katharina das Haus, nur auf Zeit, wie sie versichert. Denn die ehemalige Operettendiva fühlt sich zu höherem berufen, will zurück auf die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten.
Witzig, humorvoll und spannend nehmen die Ereignisse in der Villa Schmetterling ihren kurvenreichen Lauf. Wie eingangs erwähnt war es die vierte Regiearbeit meinerseits in Sisseln und es freut mich, dass ich bis heute noch gute Kontakte zu vielen Mitwirkenden dieses Ensembles habe.
Ein Hotel voller Gäste
Zwei Wochen nach der Sissler Premiere hiess es „Kei Platz für Liebi“. Die Boulevardkomödie war die nun schon achte Produktion des WIWA-Ensembles. Zum ersten Mal spielten wir nicht in der Schüüre, sondern im Gerichtssaal, da wir aufgrund des aufwändigen Bühnenbildes eine Lösung ausserhalb der Schüüre suchen mussten.
Bei dieser Produktion spielten gleich mehrere neue Spieler(innen) mit. Nicht weniger als sechs der zehn Akteure auf der Bühne waren zum ersten Mal beim WIWA zu sehen.
Anja Grimbichler und Regina Giglio-Erhard sind bis heute zwei nicht mehr wegzudenkende Spielerinnen im WIWA-Ensemble. Von beiden wird hier in Bälde mehr zu erfahren sein.
Da ich mit „Schwarz auf Weiss“ und „Villa Schmetterling“ noch zwei weitere Produktionen einstudierte, hatten wir die Regiearbeit von „Kei Platz für Liebi“ auf Christine Lehmann und mich aufgeteilt.
Anfänglich lief dies ganz gut, aber leider musste Christine Lehmann aus persönlichen Gründen einige Wochen vor der Premiere aus der Produktion aussteigen, was mich doch ziemlich ärgerte und auch zu Sonderleistungen meinerseits führte.
Die Handlung des Stücks? Nun, was halt so geschieht, wenn eine junge, überforderte Hoteldirektorin mehr an ihren eigenen Parfum-Kreationen als an den Gästen interessiert ist. Das Hotel gleicht eher einer Bruchbude und hat den romantischen Charme der Vergangenheit längst verloren.
Bei den Gästen, die an diesem Wochenende einchecken handelt es sich unter anderem um einen Mann mit seiner Geliebten. Eigentlich erwartet man sehnlichst eine Gruppe von Musikanten, welche an der Musikfestwoche ihr Können zum Besten geben wollen und dabei im Hotel logieren. Daneben möchte ein frisch verheiratetes Ehepaar seine Flitterwochen im vermeintlich romantischen Hotel verbringen. Es passieren Namensverwechslungen und bei der Hotelzimmer-Reservation läuft einiges schief. Es kommt wie es kommen muss, das Chaos nimmt seinen Lauf.
Ignatius erblickt die Welt
In den letzten Monaten des Jahres wurde das Stück, das 2007 als Freilichttheater aufgeführt werden sollte, vollendet. Es hiess „Ignatius, Bauernkaiser von Laufenburg“. Nun, nachdem das Stück buchstäblich geboren war, konnten weitere Vorbereitungen getätigt werden.
So galt es nun das Ensemble zusammenzustellen. Dies war nun wirklich kein einfaches Unterfangen. Insgesamt wirkten rund 125 Personen bei diesem Stück mit, davon beinahe 70 Spieler auf der Freilichtbühne in der Laufenburger Badstube.
Das Freilichttheater warf bereits Wochen und Monate vor dem Probenstart seine Schatten voraus. So entschlossen wir uns in Zusammenarbeit mit der Familie Thürlemann, Sulzer Weine in Sulz, einen sogenannten Ignatiuswein ins Leben zu rufen. Am 11. November wurde der Wein der Öffentlichkeit vorgestellt.
Da ich als Alleinunternehmer für die ganze Finanzierung des Freilichtspektakels zu sorgen hatte, war dies für mich nun ein ganz wichtiges Element. So galt es, ein Budget im Rahmen von rund 135‘000 Franken sicherzustellen. In den folgenden Monaten gab es für mich viele schlaflose Nächte, da ich ein allfälliges Defizit hätte ausgleichen müssen, wäre es denn dazu gekommen.
Erschwert wurde mir die Finanzierung und Organisation dadurch, da mir von Seiten des OK des Stadtjubiläums mitgeteilt wurde, ich dürfe keine möglichen Sponsoren in Laufenburg anfragen, dies auf beiden Seiten des Rheins. Dafür erhielt ich einen Anteil des Sponsorenbetrages, aber mir wurden hier schon etwas die Hände gebunden, was ich auch nicht wirklich verstehen konnte.
Ende des Jahres 2006 erlebte ich auch eine Ernüchterung betreffend des Bühnenbildes für diesen einmaligen Event. Für die Realisation waren Daniel Waldner und Pesche Panero vorgesehen. Bereits begann eine Zusammenarbeit und die ersten Modelle des Bühnenbildes wurden entworfen.
Doch leider verlangten die beiden Bühnenbildner nun plötzlich einen vier Mal höheren Betrag als ausgemacht, was für mich natürlich unmöglich bezahlbar war. So musste ich kurz vor dem Jahresende eine andere Lösung suchen und war froh und dankbar, dass mein Bruder Bruno sich für das Ressort „Bühne“ zur Verfügung stellte.
In den nächsten Wochen werde ich an dieser Stelle eingehend über dieses Highlight meiner Laufbahn berichten. Bleiben Sie, wie man so schön sagt, am Ball!
Fortsetzung folgt nächsten Samstag…
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