MG Kaisten gibt sich «very british»
Von: Hans Berger
Britischer wie die MG Kaisten ihr Jahreskonzert am vergangenen Freitag und Samstag gestaltet hatte, kann wohl kaum ein Unterhaltungsabend, selbst in den touristischen Hochburgen von Grand Britain sein. Wem unter den vielen Gästen bis dato das Britische fremd war, bekam in der Mehrzweckhalle einen ersten Eindruck davon, entdeckte eventuell, dass die Briten zwar anders, aber gewiss so bodenständig wie die Schweizer sind und verspürte vielleicht gar Lust, das Königsreich zu besuchen. Der britische Tourismusminister, so es einen solchen gibt, kann sich jedenfalls ins Fäustchen lachen, eine bessere Werbung für sein Land gibt's nicht und das erst noch zum Nulltarif. Die MG Kaisten sollte mal dort an die Tür klopfen, möglicherweise gibt’s ja was, falls der Minister nicht ein Schotte ist.
MG Kaisten gibt sich «very british»
Als ob sich Queen Elisabeth II. persönlich in der Mehrzweckhalle von Kaisten befände, wurde die Eingangspforte von zwei Queen Guards, natürlich mit Bärenfellmütze, bewacht und sie zeigten sich dabei genau so stur wie ihre Kollegen vor dem Buckingham Palace. Da der obligate Hofknicks vor ihrer Majestät peinlich hätte ausfallen können, waren wohl nicht wenige unter den vielen Besuchern ab ihrer Absenz hoch erfreut, fanden dann aber sicher Gefallen an den typisch englischen Telefonzellen als Tischdekoration und dass die Getränke- und Speisekarte nicht nur in englisch verfasst war.
Pop, Classic, Rock
Englisch, aber nicht britisch eröffnete die Jugendmusik Regio Laufenburg unter der Leitung von Giuseppe di Simone das Jahreskonzert mit „Eye of the Tiger“, der Titelmusik von Rocky III. Temperamentvoll erzählten die jungen Musikerinnen und Musiker danach die Geschichte vom Fluch der Karibik und bewiesen mit einem Klarinettenstück, dass sie auch mit Wolfgang Amadeus was am Hut haben. Das italienische Blut des Dirigenten zeigte sich beim Old Time Rock and Roll, mit dem er Musikanten und Publikum mitriss. Die Begeisterung im Saal war riesig, so liess die Jugendmusik Regio Laufenburg zum Abschluss nicht weniger fetzig „When The Saints Go Marching In“ erklingen.
Very british
Die „Wachablösung“ hatte nur insofern mit jener vom Buckingham Palace gemein, dass die Musikerinnen und Musiker der MG Kaisten unterm Beifall der Gäste Einzug hielten und während dem ersten Stück „Prelude to a Celebration“ der „Union Jack“ gehisst wurde und alsdann tatsächlich im Wind flatterte. Nach der Begrüssung durch Doris Rebmann, Präsidentin der MG Kaisten führte hernach Franziska Burkhalter informativ und charmant durch das Programm. Das von der Moderatorin erwähnte Zitat: „Spielen Sie jede Note, als ob es Ihre Letzte wäre“ beherzigte die MG Kaisten unter ihrem Dirigenten René Byland bei der rhythmisch anspruchsvollen „Serenade“ vollumfänglich.
Gänsehaut
London, Manchester, Liverpool, eventuell Glasgow und allenfalls noch Leeds oder Sheffield sind die Städte, mit denen Grossbritannien in Verbindung gebracht wird. Eindrücklich stellten die Musikerinnen und Musiker mit „The Floaral Dance“, „Tales from Ireland“ und kalt den Rücken hinunterlaufend, Gänsehaut erzeugend mit „Highland Cathedral“, bei dem Dudelsackspieler Roland Stöckli den Solopart übernahm, den ländlichen Teil des Königreichs vor.
Wie Wilhelm Tell zur Schweiz, gehört „Robin Hood“ zum britischen Königreich, allerdings fehlt den Eidgenossen ein so moderner Held wie James Bond 007, der Geheimagent ihrer Majestät, mit deren Leben sich das Kaistner Orchester genauso intensiv befasste wie mit der mystischen, verführerischen „Lady in Red“.
Ratschlag
Gegen die Empfehlung: „Schau' immer auf die heitere Seite des Lebens“ hat grundsätzlich niemand etwas einzuwenden. Wenn aber im Film Monty Python’s Life of Brian eben dieser Bryan als Gekreuzigter „Always look on the bright Side of Life“ munter singt und pfeift, dann ist der Ratschlag nur sehr schlecht nachzuvollziehen. Wie dem Applaus zu entnehmen war, konnte aber die Dorfmusik ihr Publikum von der Sinnhaftigkeit des Tipps überzeugen. Wie das Amen in der Kirche, so gehören natürlich die Beatles und Tom Jones zum Königreich, worauf die Musikerinnen und Musiker mit „Hey Jude“ und „It’s not unusual“ rockig und swingend aufmerksam machten.
Lust
Das Publikum war nach rund zwei Stunden bester Musik und Unterhaltung unerbittlich. Einfach so wollte es die MG Kaisten nicht von dannen ziehen lassen und forderte mit frenetischem Beifall eine Zugabe, mit welcher die Musikanten die Lust des Plenums auf mehr aber noch nicht zu stoppen vermochten und so beendete das Orchester ebenso lustvoll sein Jahreskonzert mit einem Marsch, natürlich war auch dieser „very british“
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